Das „Ojo del Mar“ - ein Urwaldsee, der neugierig macht
Von Daniela Poschmann
Ein Menschen verschlingendes Ungeheuer, ein Strudel, der alles mit sich in die Tiefe zieht und Zugänge, die bis heute unentdeckt sind – die Mythen um den Urwaldsee in den Bergen von Amambay machen neugierig.
Palmen, Sträucher, Bäume – ein grünes Meer so weit das Auge reicht und nicht nach vorne schaut. Bei einem Blick durch die Windschutzscheibe kann einem mulmig zumute werden, uns hat es jedoch gefallen, das Slalom-Fahren vorbei an Schlaglöchern, Steinen und über Spurrillen und lehmigen Sand. Schließlich sind wir in besonderer Mission unterwegs: auf der Suche nach dem Seeungeheuer. So setzen wir noch einen drauf und bestreiten den letzten Rest der Strecke zur 7.000 Seelen-Gemeinde Bella Vista del Norte, an der Grenze zu Brasilien, im Dunkeln. Ohne Scheinwerfer würde man die Hand vor Augen nicht sehen und ebenso wenig die mit Holzstämmen vollbepackten entgegen kommenden Lkws. Stur auf ihrer Vorfahrt bestehend steuern die Riesen einem für uns unbekannten Ziel entgegen. Ob das legal ist? Bei der Ankunft sind wir so auch ein bisschen stolz, es unbeschadet überstanden zu haben – gleich darauf aber leicht beschämt. Schließlich waren unser Jeep und die Lkws nicht die einzigen auf der ungeteerten Ruta 3. Diverse zweirädrige Verkehrsteilnehmer bahnten sich ihren Weg ohne Licht. Am nächsten Morgen geht es nach einer verzeifelten und letztendlich auch vergeblichen Suche nach einem Frühstück abseits von Empanadas und Soft-Drinks weiter in Richtung des Sagen umwobenen „Ojo del Mar“. Wir hätten vielleicht doch vorher in einem vernünftigen Hotel reservieren sollen!
Doch bald werden wir entschädigt. Versteckt mitten im Dschungel finden wir nach einer Weile den Eingang zum „Auge des Meeres“, dem See, der scheinbar aus dem Nichts kommt und doch so viele Geheimnisse birgt. Mehr als zweieinhalb Millionen Jahre alt soll er sein, seine Tiefe kennt niemand. Taucher trauten sich einst bis zu 100 Meter tief, den Grund erreichten sie nicht. Auch der vermeintliche unterirdische Zugang zum Meer ist unauffindbar, und dennoch mangelt es nie an Wasser, der See ist ganzjährig gefüllt. Bevor wir in das kühle Nass springen können, steht uns nun die Bewältigung des Höhenunterschieds von rund 50 Metern bevor. Es geht abwärts, weshalb auch die Vermutung nach einem vulkanischen Ursprung nahe liegt. Doch ehrlich gesagt ist der Abstieg ein Kinderspiel, und ein Seil entlang des Weges zeigt, dass wir nicht die ersten sind. Unten angekommen, bietet sich ein für Paraguay sicher einmaliges Schauspiel. Umgeben von dichtem Gewächs, Vogelgezwitscher und unendlicher Ruhe präsentiert sich ein glasklarer, fast runder See, der nur auf uns gewartet zu haben scheint. Die Einladung nehmen wir gerne an, entledigen uns aller unnützen Kleidung, springen rein, schwimmen und lassen uns auf den mitgebrachten Reifen treiben. In die Tiefe zieht uns nichts, kein Strudel, kein Ungeheuer – sind all die Geschichten nur Hirngespinste?
Wenn Sie das ”Ojo del Mar” selbst erleben möchten, finden Sie die dazugehörige Tour >> hier.













