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Volle Fahrt ins 19. Jahrhundert

29 September 2008 664 x gelesen No CommentDrucken Drucken eMail zum Artikel eMail zum Artikel

Von Daniela Poschmann
Mit 15 Stundenkilometern rast der Tren del Lago jeden zweiten bis dritten Sonntag von Asunción nach Areguá und retour, und entführt dabei seine Passagiere mit landestypischen Szenen zurück ins 19. Jahrhundert. Bereits seit über 150 Jahren im Einsatz gilt er als einzige noch mit Brennholz fahrende Lok weltweit. Im Februar 2004 fiel der Startschuss für den Tren del Lago als fahrende Theaterbühne für Touristen. Ebenso wie ein Teil der Passagiere stammen auch die 30 Kilometer, auf denen er fährt, aus der fernen Vergangenheit. Sie sind ein Teil der im Jahr 1861 erbauten ersten Schienenstrecke Paraguays. Weitere Reliquien sowie historische Informationen aus dieser Zeit finden sich in dem angeschlossenen Museum im Bahnhofsgebäude.

Hühnerjagd und Waffenduell
Dass Geschichte sehr lebendig sein kann, beweist aber vor allem die gut vierstündige Zugfahrt, auf der Langeweile ein Fremdwort ist. Dennoch Ordnung muss auch sein. So liest der Zugchef, der im feinen Frack mit Zylinder natürlich „nur“ Englisch spricht – zu allererst die Instruktionen vor. Darunter: Bleiben Sie während der ganzen Fahrt sitzen, Getränke und Tiere sind verboten und der Zug fährt immer pünktlich ab. Beim Letzteren konnte er sich beim Blick auf die Uhr ein Lachen allerdings nicht verkneifen. Aktuelle Zeit: 10.15 Uhr, geplante Abfahrt 10.00 Uhr! Trotz offiziellem Verbots erlaubt er einer Señorina - zur Freude der realen Gäste - Limonade und Chipas zu verteilen. Ins Gegenteil schwenkt sich jedoch seine Stimmung, als er plötzlich etwas gackern hört. Doch wo kommt es nur her? Der Schaffner muss her, und er wird fündig. Unter dem weiten Rock einer Dame hat sich doch tatsächlich ein blinder Passagier eingeschlichen: ein Huhn. Die Jagd beginnt! Auf der verzweifelten Suche nach der ersten Klasse wandelt eine mit Perlen und weißer Seide bestückte Dame durch die beiden Wagons. Als der Schaffner ihr mitteilt, sie befände sich bereits darin, rümpft sie bei einem Blick auf die ungehobelten Neuzeitler erschrocken die Nase. Als sie dann noch angestiftet von zwei Gaunern in ein Feuerwaffen-Duell mit ihrer Sitznachbarin verwickelt wird, steigt sie schnell aus. Ankunft in Aregua.

Flaniermeile Aregua
Zwischen knuschenden Keramikfröschen und edlen Holzarbeiten flaniert man über den Markt der Töpferstadt, kehrt in ein Restaurant ein oder schaut auf den Hinterhöfen bei der Herstellung der Töpferwaren zu, vom Mischen über das Formen bis hin zum Brennen. Wer möchte kann sich auch der organisierten Führung Richtung Kirche, der Iglesia de la Virgen de la Candelaria, anschließen, die auf einem Hügel liegend einen Blick auf den Ypacaraí-See bietet. Zwei Stunden später beginnt der Rückweg - mit ausgewechseltem Schauspielerteam, aber genauso guter Stimmung. So kommt es zu einer sehr musikalischen Einfahrt in Asuncion. In Begleitung eines Harfenspielers und einer Tänzerin singt fast der komplette Zug lautstark paraguayische Volkslieder.

Wenn Sie Interesse an einer Fahrt mit dem “Tren  del Lago” haben, finden Sie die dazugehörige Tour >> hier. 

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