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Von siebenköpfigen Hundegestalten und riesigen Phallussymbolen

21 September 2008 781 x gelesen No CommentDrucken Drucken eMail zum Artikel eMail zum Artikel

Von Rafaela Rahmig
Guaraní ist eine Sprache voller Mythen und Legenden, in der unzählige farbenfrohe und gruselige Gottheiten und Monster von Generation zu Generation in Erzählungen weitergegeben werden.

Pombero, ein beliebter Geist des Unfriedens, meist dargestellt als haariges Monster, ist wohl das bekannteste der paraguayischen Fabelgestalten. Seine Berühmtheit bei Alt und Jung und sein Kultcharakter haben ihm dazu verholfen, dass er in Paraguay zu einem bekannten Klamottenlabel geworden ist. Der Fantasie scheint innerhalb der guaranischen Mythen und Legenden keine Grenzen gesetzt zu sein. Die Figuren reichen bis hin zu Kurupi, einem sagenhaften kleinen Waldgeist, der seinen Phallus wegen der außerordentlichen Länge um den Leib wickeln muss, damit er nicht beim Gehen behindert wird.

Guaranische Mythen und Legenden
Ein Kennzeichen der Mythen und Legenden ist, dass fast jeder ein und dieselbe Geschichte ein bisschen anders kennt. Dies liegt daran, dass es lange Zeit keine schriftlichen Aufzeichnungen in Guarani gab. Bis zur Neuzeit war Guarani keine Schriftsprache. Viele religiöse Überzeugungen und Gedankengänge wurden von einer Generation zur anderen mündlich weitergegeben. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Göttern und den damit verbundenen Geschichten können deswegen in den verschiedenen Regionen des Landes so groß sein, dass die jeweilige Gottheit oder Figur eine ganz andere Rolle im Glaubenssystem einnimmt. Obwohl durch die Arbeit der Jesuiten-Missionare im 16. Jahrhundert viele Guarani-Indigene an eine moderne Gesellschaft angepasst und ihr Glauben hin zum Christentum reformiert wurde, sind viele grundlegende Überzeugungen in manchen ländlichen Regionen des Landes noch heute sehr lebendig anzutreffen. Die Mythen und Legenden wurden bis zum heutigen Tag hin weiterentwickelt und angepasst an die sich ändernden Zeiten.

Der Usprung der Schöpfung und der Menschen liegt in Aregua
Die bedeutenste Figur in den meisten Legenden ist Tupã, der über allen stehende Gott in den Schöpfungsgeschichten der Guarani. Mit der Hilfe der Mondgöttin Arasy stieg Tupa auf die Erde hinab. Von einem Hügel in der Nähe von Aregua aus schuf er alles, was auf dem Antlitz der Erde zu finden ist, inklusive der Ozeane, der Wälder und der Tiere. Von dieser besagten Stelle in Paraguay aus setzte er einzeln die vielen Sterne in den Himmel. Anschließend erschuf Tupa die ersten Menschen. Den meisten guaranischen Mythen nach sind die Guarani-Indianer die erste menschliche Rasse auf der Erde, von der jegliche andere Zivilisation abstammt. Tupa erschuf die Menschen, indem er Tonfiguren von einem Mann und einer Frau aus einer Mischung der unterschiedlichen Elemente der Natur formte. Nachdem er Leben in ihre tönerne Form gehaucht hatte, ließ er sie mit den Geistern von Gut (Angatupry) und Böse (Tau) allein und verließ den Planeten. Die ersten von Tupa geschaffenen Menschen waren Rupave und Sypave, deren Namen „Vater der Menschen“ und „Mutter der Menschen“ bedeuten. Sie bekamen insgesamt drei Söhne und eine nicht definierte Anzahl von Töchtern. Ihr erster Sohn war Tumé Arandú, der als der weiseste der Menschen galt und ein großer Prophet der Guarani-Indianer wurde. Ihr zweiter Sohn war Marangatú, ein gütiger und großzügiger Führer seines Volkes. Er war auch der Vater von Kerana, der Mutter der sieben legendären Monster der guaranischen Mythen. Diese Monster sind heute die am weitesten verbreiteten Gestalten, die in den unterschiedlichsten Geschichten und Mythen herumgeistern, die Eltern ihren Kindern in Paraguay erzählen. Der dritte Sohn von Rupave und Sypave war Japeusá, der als Lügner geboren wurde, als Dieb und als Gauner, der alle Dinge rückwärts tat, um die Leute zu verwirren und sie zu übervorteilen. Er beging Selbstmord, weil er sein fieses Dasein selbst nicht ertragen konnte. Als Krabbe wiedergeboren, ist er dafür verantwortlich, dass heute alle Krabben rückwärts laufen müssen, genauso, wie Japeusá es musste.

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