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Vernichtend geschlagen - Paraguay am Ende seiner Kräfte

14 September 2008 482 x gelesen No CommentDrucken Drucken eMail zum Artikel eMail zum Artikel

Der Triple-Allianz-Krieg von 1864 bis 1870 gegen Brasilien, Argentinien und Uruguay war die wohl blutigste Auseinandersetzung in der lateinamerikanischen Geschichte. Noch heute bezeichnet man diesen für Paraguay verlustreichsten aller Kriege als „Guerra Grande“, den „Großen Krieg“. In der Zeit um 1860 hatte Paraguay durch sein für damalige Verhältnisse großes und gut ausgebildetes Heer sowie eine fortschrittliche Wirtschaft einen Großmachtstatus in der Region inne. Im Dezember 1864 erklärte Staatschef und Diktator Francisco Solano López Brasilien den Krieg. Brasilien hatte sich damals in die Politik des noch mit Paraguay befreundeten Uruguays eingemischt. López fiel kurzerhand mit seinen Truppen in Brasilien ein, auch mit dem Ziel, Zugang zum Meer zu erhalten und das Staatsgebiet zu erweitern. Um den brasilianischen Truppen auch in Uruguay entgegentreten zu können, benötigten die Paraguayer jedoch auch das Durchmarsch-Recht durch argentinisches Territorium. Argentinien aber verweigerte den paraguayischen Truppen das freie Geleit, sehr zum Unmut des kriegerischen Diktators, der bald darauf in die argentinische Stadt Corrientes ohne Kriegserklärung einfiel. Erst später, am 18. März 1865, folgte eine Kriegserklärung an den Nachbarn.

Paraguay befand sich von nun an sowohl mit Brasilien als auch mit Argentinien im Kriegszustand. López verließ sich auf sein gut ausgebildetes Heer von fast 60.000 Mann, während die Gegner zunächst unvorbereitet waren und anfangs auf insgesamt nur 26.000 Mann zurückgreifen konnten. Am 1. Mai 1965 dann schlossen sich Brasilien, Argentinien und Uruguay zur Triple-Allianz zusammen. Der Krieg hatte seinen Namen. Anfangs noch durch die Uneinigkeiten der Gegner im Vorteil, verloren Paraguays Truppen nach und nach immer mehr blutige Schlachten - und an Boden. Nach mehreren Niederlagen und hohen Verlusten in der letzten großen Schlacht vor Asunción musste López 1869 die Hauptstadt aufgeben und floh in die Berge von Amambay. Hier sammelte er einige tausend Menschen um sich, hauptsächlich Kinder und Greise, die geführt von seinem erst 16-jährigen Sohn, Coronel Panchito, in die Schlacht zogen. Im Gebiet es heutigen Cerro Corá, einem atemberaubenden Nationalpark, wurde die „Kinder-Armee“ eingekesselt und zur Kapitulation gezwungen. López lehnte es ab aufzugeben und wurde am 1. März 1870 am Rio Aquibadan getötet. „Vencer o morir“ waren seine martialischen Worte, „gewinnen oder sterben“. Wegen dieser selbstzerstörerischen Hartnäckigkeit wird der Marschall noch heute als Nationalheld gefeiert. Obwohl er nicht nur sich, sondern eine ganze Nation zerstörte.

Aufgeben kam für den Diktator nie in Frage. López lehnte wiederholt Friedensangebote der Allianz ab. Diejenigen, die ihn ermutigen wollten, die Feindseligkeiten einzustellen, wurden hingerichtet oder ausgepeitscht – darunter auch engste Familienmitglieder, wie seine seine Brüder, sein Schwager, seine 70-jährige Mutter und seine beiden Schwestern. Drei Monate nach dem Tod von Francisco Solano López wurde am 20. Juni 1870 der Friedensvertrag unterschrieben. Zu diesem Zeitpunkt war die paraguayische Streitmacht vollständig vernichtet und fast zwei Drittel der Bevölkerung ums Leben gekommen. Nur noch knapp 6.000 Männer soll es 1870 im Land gegeben haben. Zudem musste Paraguay fast 50% seines Staatsgebietes an Brasilien und Argentinien abtreten – insgesamt 144.000 km². Der Krieg hat auf beiden Seiten insgesamt mehr als 2 Millionen Menschen das Leben gekostet und ist damit im Verhältnis zur Bevölkerungszahl einer der verlustreichsten Kriege der Weltgeschichte!

Gleichzeitig hat er die Landkarte des Kontinents völlig verändert. Das große und mächtige Paraguay schrumpfte zu einem bedeutungslosen Staat zwischen den beiden neuen Großmächten Brasilien und Argentinien. Wichtige Kriegsschauplätze und Zeugnisse grausamer Kriegsverbrechen sind noch heute Stumme Zeugen einer unrühmlichen Vergangenheit.

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