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Paraguay unter Dampf

14 September 2008 389 x gelesen No CommentDrucken Drucken eMail zum Artikel eMail zum Artikel

Mitte des 19. Jahrhunderts war Paraguay eines der größten, mächtigsten und prosperierendsten Länder Südamerikas. Präsident Carlos Antonio López suchte den Anschluss an die wirtschaftliche Entwicklung Europas und wusste, dass er die Verkehrswege der Handelsmacht Paraguay ausbauen musste, um Schritt zu halten. Also schickte er im Jahr 1853 seinen Sohn Francisco Solano López mit 200.000 Goldpesos nach England, um die Eisenbahn nach Paraguay zu holen. Eine Lok mit drei Waggons wurden aus dem Mutterland importiert. Gut fünf Jahre später konnten die Paraguayer mit dem Bau des Streckennetzes beginnen, bis dann am 14. Juni 1861 zwischen der Plaza San Francisco im Zentrum von Asunción und dem Hafen die erste Bahn fuhr. Damit gehörte Paraguay zu den Vorreitern in Südamerika, lediglich in Peru und Chile fuhren bereits von den Kolonialherren erbaute Züge, die dem Bergbau dienten. López importierte daraufhin zwei weitere Lokomotiven und baute das Streckennetz aus. Am 21. Dezember 1861 wurden auf den 6,4 Kilometern bis Trinidad – heute der Bahnhof am Botanischen Garten – Schienen verlegt sowie später die Orte Luque und Ypacaraí an das Streckennetz angebunden.

Nach dem Tod des Präsidenten brach unter seinem Sohn jedoch der verheerende Triple-Allianz-Krieg aus, der den größten Teil der Bahn wieder zerstörte. Es folgten Finanzspritzen aus dem Ausland und Privatisierungen, die paraguayische Bahn konnte sich davon aber kaum richtig erholen. Investitionen blieben aus, bis zuletzt war die Bahn auf ihre holzgefeuerten Loks angewiesen. Auch nachdem Diktator Alfredo Stroessner die Bahn 1961 wieder verstaatlichte, verschlechterte sich der Zustand der Schienen stetig, bis der reguläre Verkehr schließlich 1999 gänzlich eingestellt wurde. Lediglich in Encarnación fahren heute noch Züge, die den Grenzverkehr mit Argentinien aufrecht erhalten. Außerdem muss die Bahn einen „Eisenbahnfriedhof“ und eine Werkstatt in Sapucaí aufrecht erhalten, in der mit 100 Jahre altem Werkzeug und Dampfmaschinen die letzten historischen Lokomotiven gewartet werden.

An die goldenen Zeiten der Eisenbahn erinnert heute nur noch der „Tren del Lago“, der auf einem Teilstück der ersten Schienen an den berühmten Lago Ypacaraí fährt. Die Lok stammt aus einer der ersten Generationen und wird noch mit Holz gefeuert. Bei der Fahrt bieten Schauspieler ein einzigartiges Spektakel für Touristen, die sich um 150 Jahre zurück versetzt fühlen.

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